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| Ambulante Ayurveda-Medizin | | Drucken | |
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(Dr. med. Karin Gramminger, CoMed Ausgabe 12/2004) Ayurveda, die Wissenschaft vom langen und gesunden Leben, ist ein ganzheitliches Gesundheitssystem, das vor rund 5.000 Jahren auf dem indischen Subkontinent entstand. Leider wird sie bei uns noch immer im Wellnessbereich angesiedelt, obwohl bereits namhafte deutsche Kliniken von ihren erfolgreich durchgeführten Panchakarmakuren (die 5 Ausleitungstherapien) und den dabei erzielten Heilerfolgen berichtet haben.
Zustand nach Mamma Ablatio rechts, Axil-ladissektion, Plastikaufbau 08/90. Histologie: Hormonstatus prämenopausal, Rezeptorstatus östrogen. Progesterone Rezeptoren positiv. Tumorstadium: pT. Nebendiagnosen:
Die Patientin suchte mich auf Grund ihrer Beschwerden erstmals im Januar 1998 in meiner Praxis auf: Epigastrische Schmerzen, saures Aufstoßen, reduzierte Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Paraesthesien in den Händen, Rückenschmerzen, Verstopfung, Schwindelgefühl, Ein- und Durchschlafstörungen, Migräneanfälle, Nachtschweiß.
Vikriti (jetztige Befindlichkeit) ist:
Es zeigt sich sowohl eine Vata- als auch eine Pitta-Aggravation. Die Haut ist blass, die Schleimhäute wenig durchblutet, RR 110/70, Puls 60/min., die peripheren Pulse sind gut tastbar. Herztöne sind rein, das Herz ist nicht verbreitert, die Aktion ist regelmäßig. Die Operationsnarben zeigen keine Entzündungszeichen. Das Epiga-strium ist druckschmerzhaft, kein Aszites, Meteorismus, Leber und Milz sind nicht vergrößert, die Tumormarker sind im Normbereich, lediglich der Ferritinspiegel ist erniedrigt (4ng/ml). Therapie Nach der Erstuntersuchung, die sowohl eine Vata- als auch eine Pitta-Erhöhung in der Pulsdiagnosefeststellen lässt, zeigt sich Rakta-Dhatu (Eisenmangelanämie) gestört, Pachaka Pitta (saures Aufstoßen) erhöht, Bhutagni (verantwortlich u. a. für das Immunsystem Ojas, Tejas, Prana) gestört, Ojas (Essenz der Körpergewebe, Essenz von Ka-pha) und Prana (Lebenskraft) zu niedrig. Hierzu hat Frau R. die folgenden Ayur-veda-Präparate über drei Monate eingenommen:
Verlauf Nach drei Monaten hat sich der Allgemeinzustand wesentlich gebessert, nur selten tauchen noch epigastrische Beschwerden auf, ihr Eisenspiegel hat sich ebenfalls normalisiert. Sie klagt jetzt jedoch über ein Kloßgefühl in der Halsregion und leidet noch immer psychisch unter der Aphonie. Gegen das Kloßgefühl habe ich ihr Bai 45 (Kanchnar Guggulu) täglich 3x eine Tablette und Bai 17 (Trikatu) täglich 2x eine Tablette verordnet. Um ihre Manas-Vikruti (momentaner mentaler Zustand) wieder ins i Gleichgewicht zurück zu führen, habe ich ihr Bai 15 (Ashwagandha, Brahm L.) täglich 3x eine Tablette verabreicht. Das Kloßgefühl hat schon nach drei Wochen nachgelassen, und Frau R. kann mit einem Sprachtraining bei der Logopädin beginnen. Frau R. bleibt auch die nächsten Jahre in meiner Betreuung. Sie kommt mehrere Male zur ambulanten Ayurveda-Kur, um an ihrem "Krebs" zu arbeiten. Sie wird sowohl psychotherapeutisch als auch ayurvedisch im Rahmen kleiner ayurvedischer Aufbaukuren von mir betreut und nimmt ayurvedische Präparate zur Stabilisierung und Gesunderhaltung. Sie bekommt manuelle Ayurveda-Therapie, d. h. ayurvedische Yogamassage (zur besseren Beweglichkeit) und Svedana (Wärmebehandlung), Shirodara (Stirnguss zur mentalen Entspannung), Abhyanga (ayurvedische Ölmassage zur besseren Beweglichkeit und Tiefenentspannug), Akupunktursitzungen gegen die Diskopathie, Virechana und Bastis zur Darmreinigung, Nasya und Aderlass als Migränebehandlung. Ihre Ernährung hat sie auf Anraten gemäß ihrer Konstitution umgestellt. Die Tumormarker bleiben im Normbereich, der Allgemeinzustand hat sich derart gebessert, dass sie sich an der Universität zum Sprachenstudium einschreibt, wieder Yoga-Kurse gibt und ihre Familie betreut. Als Rasayana werden Frau R. Chaywan-prash (Bai 203) gegen die Wechseljahrbeschwerden und Bai 24(Chandrabrabha Ba-ti) und Bai 55 (Kumariasava) verabreicht. Fallbeispiel 2: 75-jähriger Patient Diagnose: Refluxösophagitis seit 40 Jahren und Migräne mehrmals pro Jahr, Prostatahypertrophie Vorgeschichte Seit 40 Jahren leidet Herr G. an Refluxösophagitis mit den typischen Symptomen: Sodbrennen, saures Aufstoßen, intermittierende epigastrisch-retrosternale Schmerzen. Kein Mittel hatte bisher geholfen. Vor einer Autofahrt ist er nicht in der Lage zu essen, da er sonst unterwegs auf Grund der starken Säurebildung im Magen anhalten muss. Eine Operation lehnt Herr G strikt ab. Untersuchungsbefund Herr G. ist zartgliedrig bei einer Größe von 175 cm, er wirkt nervös und macht einen gehetzten Eindruck, er kann sich nur sehr schwer auf meine Fragen konzentrieren. Sein Puls ist 72, der Blutdruck 120/80, sein Kreislauf ist stabil, Herzgeräusche sind nicht vorhanden, die Lungen sind frei, das Epigastrium ist stark druckempfindlich, die Darmgeräusche sind hörbar, Leber, Herz und Milz normalgroß. Er hat zwei- bis dreimal Stuhlgang pro Tag, der Stuhl ist eher breiig. Seine Prakruti ist:
Seine Vikruti zeigt eine Pitta-Aggrava-tion, die Vata-bedingt ist:
Bei der Organpulsdiagnose zeigt der Ma- . gen einen Pitta-Spike, welcher für eine ' Entzündung des Magenseingangs und des Ösophagus spricht.
Da der Pitta-Erhöhung eine Vata-Erhöhung vorausgeht, wird diätetisch eine Vata reduzierende und nicht Pitta erhöhende Ernährung empfohlen.
Bei der Nachuntersuchung nach einem Monat berichtet Herr G., lediglich Bai 46 gegen die Prostata-Hypertrophie eingenommen zu haben, weil er Angst hat, so viele Tabletten einzunehmen, zumal er die Zusammensetzung und Wirkweise nicht wirklich verstanden hat. Sein Sodbrennen war geblieben und die Übelkeit auch. Nach meiner Erklärung über die Wirkweise und die Kräuterzusammensetzung fängt Herr G mit der Therapie an. Nach drei Wochen begegnet mir ein sehr glücklicher Herr G. und berichtet, dass er geheiltsei. Nach Einnahmealler Ayurveda-präparate hatte er bereits nach zwei Wochen keinerlei Symptome mehr. Er berichtet mir heute, wenn er zu uns kommt, weil er andere Anwendungen gebucht hat, noch immer freudestrahlend, dass die Refluxösophagitis nie wieder aufgetaucht ist und er jetzt auch vor dem Autofahren etwas essen kann. Er nimmt zurzeit keinerlei Präparate mehr ein.
Wie die beiden Fallbeispiele zeigen, kann Ayurveda sehr gut in der Allgemeinarztpraxis als komplementäre Medizin eingesetzt werden. Es zeigen sich sehr gute Resultate in der Rekonvaleszenztherapie, z. B. nach Operation, Chemo- oder Strahlentherapie und bei chronischen Erkrankungen, die schulmedizinisch nur schwer oder gar nicht heilbar sind. Die ayurvedische Kräutermedizin, die bei korrektem Einsatz und nach sorgfältiger ayurvedischer Diagnostik keinerlei mir bekannte Nebenwirkungen zeigt, kann schnell zum gewünschten Resultat und auch zum Ausheilen der Erkrankung führen. Die Kombination und Vielfältigkeit der Ayurveda-Medizin, die sich aus Ausleitungstherapie, manueller Ayurveda-Thera-pie, Entspannungstraining wie Yoga und Meditation, psychotherapeutischer Betreuung, Ernährungslehre und ayurvedischer Pflanzentherapie zusammensetzt, führt selbst bei hartnäckigsten Fällen meist zum Heilerfolg. Das Gleichgewicht der Gesundheit lässt sich durch ayurvedische, konstitutionsgerechte Ernährung und Lebensweise von den Patienten im Anschluss an eine Behandlung erhalten. |
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